Mittwoch, 29. April 2009

Try And Error

Versuch und Irrtum: das Erfolgsrezept menschlichen Lernens. Versuch macht kluch, heißt es deutsch umgangsprachlich. Daran wird sich vermutlich auch nichts ändern, solange Menschen lernen wollen UND müssen, klüger zu werden.

Aber gilt nicht auch folgendes: Alles zu seiner Zeit?

Was ist also, wenn wir in einer Zeit leben, die, maßgeblich von unseren Fehlern bestimmt, keine weiteren mehr zuläßt? Ist dann noch Versuch mit Irrtum angesagt? Oder ist dann sicheres Handeln gefragt, erlangtes Wissen verwendend, bis wir wieder uns die Möglichkeit erschaffen, uns irren zu dürfen?

Was ist also unsere Wirtschafts-, Macht- und Fachleutegläubigkeit noch wert, wenn jeder Irrtum unseren Tod zur Folge hat? Sind Wirtschaftsführer oder andere mächtige Menschen oder sonstige Fachleute gefeit vor Irrtümern? Oder vielleicht gar noch risikofreudiger, da sie ja die Risiken angeblich besser einschätzen können? Sich selbst als genial verkaufen müssend noch lieber überschätzen?

Was ist von Meinungen zu halten, wenn schon der Glaube nicht hilft? Irren Meinungen nicht? Sind nicht gar Meinungen bestenfalls nur ein Teil einer Wahrheit, niemals die Wahrheit selbst? Dürfen wir unser Handeln von Partei- oder gar Einzelmeinungen abhängig machen?

Sicherlich kennt ihr den Spruch, der nicht nur im Verkaufstraining allzu gern benutzt wird: Nur wer Nichts tut, macht keine Fehler! Der dann meist angefügte Nachsatz: NUR einen Einzigen! gilt der noch? Wenn jeder Fehler einer zuviel sein könnte?

Tatsache ist, darin scheinen sich zumindest alle wissenden Menschen einig zu sein, dass wir mit unseren bisherigen Glauben, Meinen, Wollen und Tun dem kollektiven Selbstmord, ja sogar dem Tod allen irdischen Lebens gefährlich nahe kommen. Und immer schneller und ungebremster immer näher. Umdenken ist in aller Munde, sogar in denen, die noch nicht einmal Denken können, geschweige denn umdenken. Die nur Gewinnen können, wobei ein Denken, gar ein Umdenken eher daran hindert. Zum Denken braucht Mensch Zeit, da Zeit aber Geld ist, kostet jeder Gewinn unsere Zeit. Denken schmälert also jeden (Zeit-)Gewinn. Oder anders, der marktwirtschaftliche Spruch: entweder du hast Zeit aber kein Geld oder du hast Geld, aber keine Zeit, es (aus) zu geben! Wer hat also mehr Zeit zum Denken, die Geld- oder die Zeitgewinner?

Jedenfalls scheint mir angesagt zu sein, momentan, vielleicht für die nächsten hundert Jahre, je nach dem, wie schnell wir mit unseren Fehlversuchen aufhören, mehr zu denken, mehr miteinander zu reden als zu tun, ...

Reden kostet nichts, das Schlimmste, was Fragern passieren kann, ist keine Antwort zu bekommen. Aber - noch dazu ungefragte, vorschnelle - Antworten birgen immer die Gefahr des Irrtums, der Teilwahrheit und damit immer auch der Teillüge in sich! Und wenn ein dummer Mensch sich gutgläubig danach in seinem Tun und Wollen richtet, richten diese Antworten uns alle hin! (Dazu brauchen wir keine Richter mehr zu beschäftigen, wir richten uns immer selbst! Auch der diesbezügliche Glaube an einen höchsten Richter oder ein jüngstes Gericht ist nur insofern richtig, dass der Mensch an sich das ist, niemand oder nichts anderes sonst! So ist unser Universum, das meinetwegen einst Gottes Wille war, be- und geschaffen worden, woran wir bisher auch nichts ändern konnten.)

... als zu versuchen, mit Genialität das Ruder rumzureißen. Ich fürchte, dass wir noch nicht soweit sind, sicher und nicht nur glücklicherweise genial zu sein. Aber wir wissen schon sehr viel, auch wenn wir das bei unseren Taten zu wenig berücksichtigen. Bis wir sicher wissen, was wir tun, bis dahin sollten wir Nichts mehr tun, denn solange ist das kein Fehler. Zumal dann nicht, wenn wir derweil lernen und miteinander erst reden und einander zuhören, bevor wir etwas tun!

Gar auch noch dazu uns umbringen. Mit jedem von uns verschwindet ein Wissen, ein Teil der Wahrheit, und vielleicht gerade der Teil, der uns beim Überleben hilft! Einer unserer vielen Fehler ist, dass wir unsere Welt darauf aufbauen, uns umbringen zu müssen, wenn wir wirtschaftlich sein wollen. Aber mit dieser Wirtschaft sterben auch die mörderischen Gewinner sodass wir alle Verlierer sein werden!

Ich kann nur ausrufen: Es lebe der Verlierer, lasst uns den belohnen und den Sieger bestrafen. Das ist zumindest ein eindeutiges Umdenken, etwas was wohl noch kein Mensch jemals gemacht hat. Vielleicht war diese Unterlassung bisher unser Fehler?

No Try! No Error! Das sollte bis auf weiteres unser Lernen und Wissen und Tun Wollen bestimmen!

So viel weiß zumindest ich schon! Ach nee, ich glaube, es zu wissen. Denn ich weiß nur wirklich sicher, dass ich nichts weiß. Alles andere Wissen ist mein pures Glück! Wenn das man nicht mein Fehler war!
Aber ich tu' euch ja auch nichts mit meiner Arbeitslosigkeit. Mit meinen Fehlern. Nicht einmal eure unmenschlichen Arbeitsplätze nehme ich euch weg! Und das bisschen, was ich euch klaue, zu meinem Glück gibt es schlimmere Räuber unter uns, und denen gebt ihr viel mehr und lieber, macht mich sehr sicher, sicherer als jeder Staat und Soldat, jedes Gesetz, jeder Polizist und Richter, jede Bestrafung oder gar noch ungerechtere Belohnung es vermag. Ich brauche sowas nicht, wenn mich jemand umbringen will, dann schafft er es. Und das umso sicherer, je mehr ich selbst Auftragsmörder zu meinem Schutz anstelle. Sogar mich selbst zu ermorden, ist mir leichter als jedem von euch oder gar uns allen: ich brauche nichts weiter dazu, keine Waffe oder gar Waffenfabrik, keine Bombe oder gar eine Nuklearwaffe, ihr meint, sowas für euch zu brauchen, ich nicht!, als nur meinen Willen, es zu tun!
Ich bin wirklich einer der harmlosesten Menschen, der in der industrialisierten Welt lebt, eigentlich nur noch an Harmlosigkeit übertroffen vom kleinen aidsinfiziertem und halbverhungertem, afrikanischem Waisenbaby, dessen Eltern wir unsere Medikamente versagten, damit wir umso mehr in unsere Autos oder Banken, ja auch in unsere mörderische Pharmaindustrie stecken konnten.
Aber auch ich bin - und womit? Mit Recht, egal ob il-legal - mitgefangen UND mitgehangen in dieser unserer - auch meiner! - Menschheit und ihren Fehlern! Dafür brauch zumindest ich keinen Richter, weder einen göttlichen noch gar einen menschlichen. Das kann ich selbst! Und das besser als jeder von euch oder sonstwas; egal wie umsonst gebildet und wie lange - wofür eigentlich? - studiert!

Denn ich will leben! Und deswegen bin ich sicher, dass ich glücklich noch lebe. Alles andere ist - zumindest mir - scheißegal. Das macht mich zu einem glücklichen Menschen. Ich weiß, was ich kann, ich muss es nicht erst tun, um das zu wissen! Wenn ich etwas mache, dann will ich es auch, das ist mein Gewinn. Und wenn das ein Fehler war, muss ich nicht erst Berge von Leichen aufstapeln, um weiter so Leben zu wollen. Denn wenn ich ein Opfer bin oder sein werde, dann immer nur das Opfer meiner eigenen Dummheit. Selbst dann, wenn andere tatsächlich mal noch dümmer als ich gewesen sein sollten. Dafür lebe ich. Und nur dafür werde ich auch sterben. Und dieses Bewusstsein macht mich glücklich. Und ich lehne mich entspannt in meinen Sessel zurück, schreibe hier und da ein paar Worte, die mir gerade so in den Sinn kommen, sind ja eh immer nur die selben, und schaue meinen Mitidioten bei ihrem unglücklichen Machtstreben zu, das zwar auch mein Pech bedeutet, aber dafür hatte ich ja auch Glück. Denn ich bin nur einer von vielen oder gar nur wenigen, die die auch das tun lassen. Und je mehr die das tun lassen wollen, umso mehr hoffe ich darauf, dass ich richtig weiß, dass ich nichts weiß.

Denn auch ich bin ein Nichts, das erst durch und mit UNS ein gewisses Maß an Größe erhält. Aber ob unsere Masse jemals ausreichen wird, die Größe des wahren großen Ganzen aus zu füllen? Wer bin ich, als dass ich mir darüber ein Urteil erlauben könnte? Aber es scheint mir offensichtlich zu sein, dass wir unsere Größe nie erkennen werden, wenn wir uns selbst klein machen. Uns selbst unserer Masse berauben statt uns zu mehren, fürchterlich und furchtbar statt fruchtbar sind. Wie es - so ich unseren hiesigen christlich Gläubigen glauben schenke, obwohl ja deren Zölibat sie teilweise am Mehren hindert, aber noch dazu sie selbst mit am meisten ihrer Mitmenschen vorschubleistend, billigend erkaufend UND sogar befehlend auf ihr ach so großes Gewissen luden und laden - unser Gott uns einst befahl!

Und dieser Gott hat auch nichts davon gesagt, das wenige größer werden, je mehr und Größeres sie vernichten, quasi mehr Mensch durch mehr Massenmord, sie ihre Banken und Autos nur größer machen, sich selbst aber zwangsläufig kleiner!

Müssen wir das wirklich immer noch ausprobieren, um zu wissen, welch ein Fehler das von uns - Deiner, meiner, unser - ist?

Wenn ja: ok, meinen Segen haben wir, sagt mir doch einfach, wo ich mich erfolgreich bewerben kann? Oder wie ich sonst besser als jetzt mithelfen kann?
Wenn nein: wieso lauft ihr dann noch zur Arbeit? Und wenn ihr das schon meint, zu müssen, warum freut ihr euch nicht darauf, es demnächst nicht mehr zu müssen?

Jedenfalls unter meinen Arbeitsloskollegen gibt es noch viele, die Arbeit dringender brauchen als ich, ich lasse ihnen gern den Vortritt. Zumal sie ja vielleicht klüger sind, sich weniger irren als ich. Allerdings, und das wiederum bestätigt mein Vermuten, je länger sie keine landesübliche Arbeit haben, umso mehr lernen sie, dass sie keine haben müssen. Sie besser ohne leben, als sich noch dazu bei Halsabschneidern zu bewerben.
Also, wer mir nichts geben will, gar meinen Hals will, der darf sich gern bei mir melden, wenn er sich davon etwas verspricht. Aber den will ich nicht mit meiner Bewerbung belästigen! Und Kopf und Kragen riskiere ich dafür schon mal gar nicht!

Kommentare:

  1. Wieso nicht heute bereits mit den offensichtlichen Fehlern aufhören uns beginnen sinnvolle neue Wege zu gehen? Wenn jeder wartet und sich nur als hilfloses Opfer fühlt wird sich nie was bewegen, bzw. dann brauchen wir tatsächlich eine noch viele verschärftere Krise - obwohl wir das nun wirklich nicht nötig haben.

    Aber warum nur in die totale Hölle steigen wenn jeder für sich zu jedem Zeitpunkt den Himmel (und damit auch für alle anderen - da wir letzlich verbunden sind) wählen kann?

    AntwortenLöschen
  2. Ich sehe unser Problem nicht darin, Opfer zu sein, sondern darin, dass jedes menschliche Opfer auch sein eigener menschlicher Täter ist. Denn auch seine Wünsche, Bedürfnisse, sein Glauben, Wissen und Meinen hat die Tat, als deren Opfer es sich nun fühlt, nicht verhindert.

    Unser Problem ist unser zu aufopferungsvolles Schaffen! Unser Tun kostet uns zuviel, vielleicht sogar uns allen unser Leben. Vielleicht sollten wir's erstmal, zumindest ein Weilchen, lassen.

    Und diese Zeit haben wir jetzt gerade, Atem holen, klaren Kopf zu gewinnen. Sofern wir unseren Politikern endlich verbieten, es noch schneller noch schlimmer machen zu wollen. Jeder Arbeitslose mehr lässt uns einen Atemzug länger Luft. Warum Arbeitslosigkeit bekämpfen damit, unsere Reserven den Banken in deren idiotischen Rachen zu schmeißen? Die haben eh schon zuviel uns weg gefressen, ohne überhaupt Leben zu können, oder, wie wir nun zum wiederholten Male erfahren, ohne uns leben zu lassen!
    Gleiches gilt in abgeschwächter Form für die Autos: Wozu müssen wir die noch haben, wenn sie uns nur noch schneller unserem Ende entgegen bringen? Jeder Autobauer ein nur noch schnellerer Selbstmörder? Also wozu noch arbeiten, wenn das uns nur noch schneller das Leben kostet?

    Wollt ihr arbeiten oder leben? arbeiten um zu leben ist nicht mehr, wenn die selbsternannten arbeitgeber uns die nicht geben, damit sie leben können.

    Wollt ihr menschen oder arbeitgeber?

    AntwortenLöschen