Samstag, 14. Februar 2009

Dshamilja, Du und ich

Für Tash (Tashunka Witko) und Rebroff, ohne die dieser post so nie entstanden wäre mit meinem Dank an beide!

Für Chris und sein schönes Gedicht, dessen einzige und einzigartige, alles umfassende Seele ich nun ein wenig besser verstehe.

Und selbstverständlich für Tschingis Aitmatow, der mir ein wenig hiermit die Augen öffnete und mir - wo immer seinen Teil unserer Seele diese Worte erreichen mögen - verzeihen mag, dass ich ihm seine Pointe klaue. Denn damit traf er meinen Teil!

Tschingis Aitmatow, "Dshamilja", Unionsverlag Zürich 2004, S. 68 - 70:
Vor uns tauchte ein heller Lichtfleck auf, es war die Ausfahrt aus der Schlucht in die Ebene. Ein sanfter Wind wehte von dorther. Danijar sang wieder. Er begann abermals schüchtern und unsicher, doch allmählich gewann seine Stimme Kraft, sie erfüllte die ganze Schlucht und hallte von den fernen Felsen wider.
Am meisten überraschten mich die Leidenschaft und die glühende Begeisterung, die aus der Melodie klangen. Ich wußte nicht, wie ich das nennen sollte, und ich weiß es auch heute noch nicht, vielmehr ich kann nicht bestimmen, inwieweit das an der Stimme lag oder an etwas Wichtigerem, das unmittelbar aus dem Herzen quillt, das die Kraft hat, in anderen die gleiche Erregung auszulösen und die schlichtesten Worte mit Leben zu erfüllen.
Wenn ich doch das Lied Danijars auch nur an­nähernd wiedergeben könnte! Es hatte fast keinen Text, ohne Worte öffnete es die ganze weite mensch­liche Seele. Nicht vorher, nicht nachher — niemals habe ich ein solches Lied gehört. Es glich weder den kirgisischen noch den kasachischen Gesängen, und doch barg es die einen wie die anderen in sich. Danijars Lied griff die schönsten Melodien der bei­den verwandten Völker auf und verflocht sie auf eigene Art zu einer einheitlichen, einzigartigen Musik. Es war das Lied der Berge und Steppen, mal stieg es tönend auf wie die kirgisischen Berge, mal strömte es hin, weit wie die kasachische Steppe.
Ich lauschte und wunderte mich: Jetzt sieht man erst, was in diesem Danijar drinsteckt! Wer hätte das gedacht!
Wir befanden uns bereits in der Steppe, auf dem weichen, ausgefahrenen Weg. Danijars Gesang brei­tete sich jetzt frei in der Ebene aus. Immer neue Melodien lösten einander ab und flossen harmonisch ineinander über. War denn Danijar so reich? Was war mit ihm vorgegangen. Als habe er nur auf seinen Tag, seine Stunde gewartet!
Mir erschienen auf einmal all seine seltsame Gewohnheiten, die bei den Leuten Unverständnis und Spott hervorriefen — seine Verträumtheit, seine Neigung zur Einsamkeit, seine Schweigsamkeit —, in einem anderen Licht. Ich wußte jetzt, warum er abendelang auf dem Wachthügel saß, warum er die Nächte einsam am Fluß verbrachte, warum er ständig nur ihm wahrnehmbaren Klängen nachlauschte und warum seine Augen zuweilen aufloderten und die Brauen sich plötzlich erwartungsvoll hoben. Das war ein Mensch, der eine tiefe Liebe in sich trug. Kein Liebe, das fühlte ich, wie man sie für einen anderen empfindet, sondern eine weit größere, die Liebe zum Leben, zur Erde. Ja, er verwahrte diese Liebe in sich, in seiner Musik, er lebte durch sie. Ein gleichgültiger Mensch hätte niemals so singen können.
Als der letzte Nachhall des Liedes schon zu verklingen schien, weckte ein neuer, schwingend aufsteigender Einsatz die schlummernde Steppe. Und sie hörte dem Sänger dankbar zu, dessen ihr vertraute Melodie sie liebkoste.

(S. 74 - 75)
Diese ganze Welt irdischer Schönheit und Unrast zeigte mir Danijar durch sein Lied. Wo hatte er das gelernt, von wem das alles gehört? Ich begriff, daß nur derjenige seine Heimat so innig lieben konnte, der sich lange Jahre hindurch mit ganzem Herzen nach ihr gesehnt hatte, dessen Liebe durch Leiden gereift war. Wenn Danijar sang, dann sah ich auch ihn selbst, wie er als kleiner Junge auf den Straßen der Steppe dahinwanderte. Waren vielleicht damals in seiner Seele die Lieder von der Heimat geboren worden? Oder aber auch in der Zeit, als er das Toben des Krieges erlebte?
Wenn ich ihn singen hörte, dann hätte ich mich am liebsten zur Erde geworfen und sie wie ein dank­barer Sohn umarmt, allein schon dafür, daß ein Mensch sie so lieben konnte. Damals fühlte ich zum ersten Mal etwas Neues in mir erwachen. Ich konnte es noch nicht fassen, doch es war etwas Unüber­windliches, es war das Bedürfnis, sich mitzuteilen, ja, sich mitzuteilen, nicht nur selbst die Welt zu sehen und zu empfinden, sondern anderen das Entdeckte, die eigenen Gedanken und Gefühle zu vermitteln, von der Schönheit unserer Erde zu erzählen, genauso mitreißend, wie es Danijar tat. Furcht und Freude vor dem Ungewissen ließen mir das Herz stocken. Ich wußte damals noch nicht, daß ich den Pinsel zur Hand nehmen sollte.

Warum diese Post? Und warum für Chris (mal abgesehen davon, dass ich ihm viel mehr als dies Geklaute schulde*gg)? Was will mir der Dichter damit sagen?
Na gut, ich kann ja nun ernsthaft nicht wissen, was irgend ein Mensch will; ich bin ja schon froh, wenn ich wenigstens ab und zu weiß, was ich will. Aber ich weiß, auch dank Chris, was Aitmatow mir damit sagt! Und dank Chris weiß ich auch, womit ich beginnen muss, wenn ich das in Worte fassen will:

Chris sprach von einer Einheit, an dem alles Seiende seinen Anteil hat. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, sprach er von einer allen gemeinsamen und von allem getragene Seele, der Seele unseres Universums. Ebenso empfindet Chris, fühlt und denkt in Farben! Dies verstehe ich nun etwas besser, dank Aitmatows Schöpfung! (Chris kann mich ja gern berichtigen oder ergänzen, falls er sich von mir so missverstanden fühlt*gg)

Von dieser Verbundenheit, diesen Farben, dieser einheitlichen Seele spricht auch Aitmatow: "... weckte ein neuer, schwingend aufsteigender Einsatz die schlummernde Steppe. Und sie hörte dem Sänger dankbar zu, dessen ihr vertraute Melodie sie liebkoste." Darüber hinaus - und das machte mir als Schreiberling und Amateurmusiker das Herz besonders warm - zeigt er die Verbindung zwischen Kreativität, Kreatur, Liebe und Kunst (dies meisterlich sogar in drei Kunstarten: Musik, Literatur und Malerei!). Und was mindestens noch genauso wichtig ist und was ich gerade auch unserem jüngsten Minister dringend ans Herz legen möchte, sofern er das noch nicht selbst weiß: Schöpfung, kreatives Schaffen, Liebe setzt Leid voraus! ("Ich begriff, daß nur derjenige seine Heimat so innig lieben konnte, der sich lange Jahre hindurch mit ganzem Herzen nach ihr gesehnt hatte, dessen Liebe durch Leiden gereift war.")

Selbstverständlich setzt es auch Glück, Nahrung und Geborgenheit voraus: wer nichts hat, der kann auch nichts geben, auch nichts schaffen. Kaum Liebe und Achtung empfinden! Der Magen und die Kinder weinen zu laut, auch wenn sie schon zu lange keinen Ton mehr von sich geben!
Aber wer niemals erfuhr, was er hat, wem niemals etwas leidvoll weggenommen wurde, wer niemals auf etwas warten musste, das er nicht erwarten kann, auch der wird niemals etwas schaffen können! Nichts von dem vielen Eigentum, der vielen Schönheit, den vielen Farben wirklich (genießen, fühlen, denken, sehen, erfahren und erleben) lieben, (be-) achten und dankbar (ver-) ehren können. Ja, er wird sich in all seinem Glück immer nur unglücklich fühlen. Und sich und damit alles dafür hassen! Und Tod und Totes herbei sehnen!
Härte, Durchsetzungs- und Stehvermögen, Platzhirschgeröhre und silver-back-Brustgetrommele, ja auch Werbeagenturen und Parteien ersetzen niemals Erfahrungen und Sichten, Perspektiven, Werte und Ideale. Schützen also auch vor Blindheit nicht! Aber Erfahrungen und Vieles Sehen und von vielen Seiten betrachten, das ermöglicht erst MENSCHLICHE Härte. Härte mit Blindheit, Einseitigkeit, gar noch Härte durch einseitige Blindheit ist immer unmenschlich. Und damit faschistisch! Egal welches Bankkonto es einem auch einbringen mag! Menschen, die leben wollen, die müssen sich gegen diese unmenschliche Härte mit aller Härte UND koste es, was es wolle, zur Wehr setzen. Denn dieser Faschismus kostet uns unendlich viel mehr. Er kostet uns Unwiederbringliches und unwiederbringliche Zeit!
Unsere Urteile, die wir nun mal brauchen, um uns und unser Leben zu gestalten, die sind in ihre Güte, in ihrer Korrektheit, in ihrer Angemessenheit in erster Linie davon abhängig, wie viel wir schon gesehen, erfahren und empfunden haben. Einseitiges Raffen, Haben und immer noch mehr Wollen, das führt zwangsläufig zu Fehlurteilen! Und damit sind es Todesurteile! Urteilen kann wahrhaft nur der, der auch selbst bereit ist, sich von dem zu trennen, was er anderen wegnimmt, weil er es selbst für sich möchte! Ja, der es niemandem mehr wegnehmen muss, weil er erwartet, es eines Tages geschenkt zu bekommen!

Das lese ich aus diesem Buch von Aitmatow und beispielhaft aus diesen zitierten Zeilen!

Kommentare:

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